Special communication

Ein reeller Einblick in den Alltag ­eines Praxis-Kardiologen

Praxisassistenz-Rotation in ­Delémont

Marc Lorenz Fischer, Remo Osterwalder

DOI: https://doi.org/10.4414/cvm.2017.00506
Publication Date: 18.10.2017
Cardiovascular Medicine. 2017;20(10):245

Das Spektrum der kardiologischen Krankheitsbilder war sehr breit, und die zusätzliche konsiliarische Tätigkeit im Hôpital du Jura bot Abwechslung im Praxisalltag.

Der Gedanke, einmal als Kardiologe in einer eigenen Praxis zu arbeiten und dabei eine möglichst breite Palette der kardiologischen Tätigkeit abzudecken, faszinierte mich schon lange. Ob meine Vorstellungen auch der Realität entsprechen würden, wusste ich jedoch nicht, bis ich ab Oktober 2015 für sechs Monate die Gelegenheit erhielt, eine Praxisrotation zu absolvieren. Als ich dafür angefragt wurde, freute ich mich sofort über diese Möglichkeit.

Die Freude erhielt allerdings anfänglich einen kleinen Dämpfer, als ich erfahren habe, dass sich die Praxis in Delémont, also einem französischsprachigen Gebiet, befindet. Das letzte Mal, als ich meine eher bescheidenen Schulfranzösisch-Kenntnisse gebraucht hatte, war schon eine ganze Weile her. So bin ich also Anfang ­Oktober 2015 mit gemischten Gefühlen in den Jura ­gereist.

Die anfänglichen Bedenken erwiesen sich aber sofort als unbegründet. Remo Osterwalder und sein Team, bestehend aus zwei Praxisassistentinnen, haben mich sehr herzlich empfangen und mich von Anfang an in allen fachlichen als auch sprachlichen Belangen bestmöglich unterstützt. So war für mich sehr rasch ein selbständiges Arbeiten im Praxisalltag möglich, wobei ich stets auf die Erfahrung von Remo Osterwalder zurückgreifen durfte. Im Verlauf wurde das Ärzteteam in der Praxis jeweils an einem Wochentag durch Jean-Luc Crevoisier, dem ehemaligen Leiter der Kardiologie des Hôpital du Jura, ergänzt. Von ihm wurde ich mit zusätz­lichem äusserst wertvollem Teaching verwöhnt. Bereichernd war auch der Austausch mit den beiden an gleicher Adresse tätigen Hausärzten.

Das Spektrum der kardiologischen Krankheitsbilder, die ich zu sehen bekam, war sehr breit und reichte von unauffälligen Check-up-Untersuchungen bis hin zu palliativen Situationen bei einer Mischung von Patienten aus praktisch allen Altersgruppen. Dabei gab es ­einige besonders eindrückliche und lehrreiche Fälle wie die Erstdiagnosen schwerer Herzinsuffizienzen unterschiedlicher Ätiologien, die Diagnosestellung einer kardialen Sarkoidose oder den Zufallsbefund eines rechtsventrikulären Tumors, um nur einige Beispiele zu nennen. Ich hatte die Möglichkeit, meine Kenntnisse und Fertigkeiten in den gängigen kardiologischen ­Untersuchungsmethoden (Fahrradergometrie, trans­thorakale Echokardiographie, Stress-Echokardiographie, 24-h-EKG und 24-h-Blutdruck-Untersuchungen) zu vertiefen. Abwechslung im Praxisalltag bot die zusätzliche konsiliarische Tätigkeit an zwei Nachmittagen in der Woche im Hôpital du Jura.

In den Gesprächen mit Remo Osterwalder hatte ich ­neben den medizinischen Themen auch immer wieder die Gelegenheit, über die Organisation einer Praxis, ­deren Vorteile, aber auch deren Schwierigkeiten und Gefahren zu sprechen.

Somit kann ich heute auf sechs äusserst spannende und lehrreiche Monate in der Praxisrotation zurückblicken, die sich für mich in jedem Fall gelohnt haben. Ich erhielt dabei einen reellen Einblick in den Alltag ­eines Praxis-Kardiologen. Ich konnte feststellen, dass diese Tätigkeit abwechslungsreich ist und die Arbeit von der Mehrheit der Patienten sehr geschätzt wird.

Ich bin mit viel Motivation und gestärktem Selbst­bewusstsein für die zweite Hälfte meiner kardiologischen Aus­bildung an das Universitätsspital Basel zurückgekehrt. Willkommener Neben­effekt war zudem, dass ich während der sechs Monate eine stetige Zunahme meiner Französisch-Kenntnisse wahrnehmen konnte.

Marc Fischera, Remo Osterwalderb

a Kardiologische Klinik, Universitätsspital Basel, Switzerland; b Kardiologische Praxis, Delémont, Switzerland

Die Autoren haben keine finanziellen oder ­persönlichen Verbindungen im Zusammenhang mit diesem Beitrag deklariert.

Korrespondenz:
Dr. Marc Fischer
University Hospital of Basel
Petersgraben 4
CH-4031 Basel (Basel-Stadt)
marc.fischer[at]usb.ch