Special communication

Jedem Kardiologen in Ausbildung zu empfehlen

Praxisassistenz-Rotation in Zürich

Alexander Breitenstein

DOI: https://doi.emh.ch/10.4414/cvm.2017.00505
Publication Date: 18.10.2017
Cardiovascular Medicine. 2017;20(10):253

Die Freiheit der Tagesgestaltung ist ein grosser Pluspunkt einer niedergelassenen Praxis. Diese Erfahrung ist in der Entscheidungsfindung für eine Laufbahn in der Praxis oder im Spital nicht zu unterschätzen.

Seit dem Sommer 2012 hat ein Assistent der kardiologischen Klinik des UniversitätsSpitals Zürich die Möglichkeit, während 6 Monaten zu 50% in einer kardiologischen Gemeinschaftspraxis mitzuarbeiten und somit einen Einblick in die Tätigkeit eines niedergelassenen Kardiologen zu gewinnen. Der Assistent führt dabei ­parallel zu den Kollegen eine eigene Sprechstunde. Anhand der Fragestellung des Zuweisers werden vor der Konsultation die Untersuchungsmodalitäten (Echokardiographie, Ergo­metrie …) diskutiert, die dann nach der Anamnese-­Erhebung beziehungsweise der klinischen Untersuchung und einer Zwischenbesprechung vom Assistenzarzt selbstständig durchgeführt werden.

Bei aufkommenden Unklarheiten sind direkte Rückfragen immer möglich. Sämtliche Untersuchungen inklusive der Echokardiographie werden supervisiert.

Damit wird nicht nur die Sicherheit der Patienten ­gewährleistet, sondern der Assistent erhält ebenso eine direkte Rückmeldung zur Qualität seiner Unter­suchungsresultate. Vor der Schlussbesprechung mit dem Patienten fasst der Assistent die Befunde zusammen, und das weitere therapeutische (oder evtl. diagnostische) Procedere wird festgelegt.

Die Zuteilung der Patienten in die Assistentensprechstunde erfolgt anhand der medizinischen Komplexität und der Kompetenz des Assistenten. Mit zunehmender Erfahrung sowohl im fachlichen wie aber auch im organisatorischen Ablauf in der Praxis übernimmt der Assistenzarzt gegen Ende der Rotation immer komplexere Patienten wie auch anspruchsvollere Unter­suchungsmodalitäten (inklusive Stress- und trans­ösophageale Echokardiographie, EKVs …).

Der Assistenzarzt erlernt mit der Beschränkung der Sprechstundenzeit eine zielführende und effiziente Arbeitsweise und erfährt, dass er alle dazu notwendigen Mittel in den eigenen Händen hält. Die im Spitalalltag häufigen, zeitraubenden und administrativ aufwendigen Schnittstellen zu Spezialsprechstunden (z.B. Schrittmacher-Klinik, Echokardiographie-Labor) entfallen. Die Perspektiven, die eine freie und persönliche Gestaltungsmöglichkeit der eigenen Praxistätigkeit im Vergleich zum einschränkenden Eingebundensein in einen Klinikbetrieb eröffnet, werden erkennbar, ohne im Gegenzug auf eine attraktive breitgefächerte und anspruchsvolle kardiologische Tätigkeit verzichtet zu müssen.

Ich durfte damals als erster Assistent die neugestaltete Rotation absolvieren. Sehr rasch wurden die oben erwähnten Vorteile einer gut koordinierten Praxis sichtbar. Durch die zielführende Arbeitsweise werden die Patienten kompetent und effizient behandelt, wobei es im Gegensatz zum Klinikbetrieb kaum Wartezeiten gibt. Durch das sehr gut eingespielte Team können aber auch kurzfristige Zusatzuntersuchungen wie eine Stressechokardiographie ohne Verzögerung im Tagesablauf untergebracht werden. Diese Freiheit der Tagesgestaltung ist ein grosser Pluspunkt einer niedergelassenen Praxis. Diese Erfahrung ist aus meiner Sicht in der Entscheidungsfindung eines jungen Kollegen für eine Laufbahn in der Praxis oder im Spital nicht zu unterschätzen.

Ich kann jedem Kardiologen in Ausbildung, unabhängig vom zukünftigen Ziel der Tätigkeit, eine Rotation in eine kardiologische Praxis empfehlen.

Alexander Breitenstein

Universitäres Herzzentrum Zürich

Der Autor hat keine finanziellen oder persönlichen Verbindungen im Zusammenhang mit diesem Beitrag deklariert.

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Korrespondenz:
Dr. med. Alexander ­Breitenstein
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Herzzentrum Zürich
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